Bericht: Rhetorikseminar der Piratenpartei
Am 13. und 14. Juni hatte ich Gelegenheit am 1. Rhetorikseminar der Piratenpartei, inmitten der Universitätsstadt Braunschweig teilzunehmen. Veranstalter des Seminars war der Landesverband Niedersachsen der Piraten, im speziellen hatten die Braunschweiger um Pirat Fabio sich um die Organisation gekümmert.
Dank der guten Kontakte von Fabio war das Seminar mit Dietmar Neumann (Neumann-Coaching) hochkarätig besetzt. Dietmar Neumann hat viele Jahre als Managment- und Führungstrainer bei Volkswagen gearbeitet, und bietet seit 2004 selbständig Seminare unter anderem in den Bereichen Rhetorik und NLP an.
Bevor ich auf den konkreten Ablauf des Seminars eingehe, noch ein paar Gedanken zur Motivation, eine solche Veranstaltung zu besuchen bzw. überhaupt erst zu organisieren.
Im Rahmen der derzeitigen politischen Entwicklung, werden die Positionen der Piratenpartei von immer mehr Wählern als sinnvolle Alternative erachtet. Insbesondere die geplanten Einschränkungen der Bürgerrechte durch die Regierungsparteien haben hier für einen zusätzlichen Schub gesorgt. Die Piratenpartei hat somit zur Zeit einen ständigen Mitgliederzuwachs, was wiederum eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit nötig – und möglich – macht.
Gerade hierbei, sei es an Infoständen oder in Interviews, ist es wichtig effektiv kommunizieren zu können. Wichtige Positionen wollen oft in knapper Zeit und in wenigen Worten dargestellt werden. Als Laie erkennt man hier allzu oft Schwierigkeiten und Grenzen. Genau hier setzt das Rhetorikseminar an.
Beginn des Trainings war am Samstag um 10:00 Uhr. Für mich als Schwaben bedeutete das Anreise am Vortag. Eine Zugverbindung am frühen Samstagmorgen existiert zwar, die Uhrzeit ist aber nicht jedermanns Sache, inbesondere wir ITler sind da ja oft verwöhnt. So frühe Abfahrt hätte ausserdem die piratischen Late-Night-Aktivitäten zu nichte gemacht – aber dazu später mehr.
Ort des Geschehens war das Grotrian-Gebäude der TU-Braunschweig, eine ehemalige Klavierfabrik, die heute u.a. die Fachschaften Maschinenbau und Architektur beherbergt. Ein Ort, bis unter die 5 Meter hohe Zimmerdecke dekoriert mit Plakaten und Postern aus neuer und z.T. schon sehr alter Studentenhistorie. Bestimmt kein üblicher Ort für so eine Veranstaltung, der aber trotzdem besser nicht hätte geeignet sein können um dem Seminar die nötige Atmosphäre zu geben.
Erstes Thema am Samstag, mit dem sich die 14 angemeldeten Teilnehmer beschäftigen durften waren die ‘Grundannahmen der Kommunikation’, einige hilfreiche Thesen, warum sich Kommunikationspartner so verhalten wie sie es tun, und wie man damit grundsätzlich umgeht.
Weiter ging es mit dem Thema ‘Wahrnehmungssysteme’, die Einteilung von Menschen in die Bereiche Auditiv, Visuell und Kinästhetisch. In welche Richtungen eine Person auch tendiert, sie kommuniziert besser mit einem ähnlich veranlagten Partner. Ansonsten spricht man oft schlicht aneinander vorbei.
Nach mittäglicher Stärkung lautete das Thema für den Rest des Tages ‘Rapport’ – wie stelle ich eine ‘Synchronisation’ mit meinem Gesprächspartner her um ihn besser erreichen zu können. Der umfangreiche Stoff wurde erfreulicherweise immer wieder durch praktische Experimente und Übungen ergänzt, um direkt einen Praxisbezug herstellen zu können.
Der Tagesausklang war gleichzeitig auch der Beginn der ersten wirklichen piratischen Tätigkeit des Tages: man traf sich mit anderen lokalen Piraten um daraufhin mit dem Segelboot von Matthias in See zu stechen, den Tankum-See um genau zu sein. Volle Piratenpartei-Beflaggung selbstverständlich inklusive. In den nächsten Stunden wurden einige interessante Gespräche geführt, zu Wasser und auch später zu Land mit interessierten Bürgern. Ein angemessener Ausklang des Tages.
Der Sonntag begann, wie auch schon der Samstag, um 10:00 Uhr. Die Themen des Tages waren die verschiedenen Sprachmodelle: Das Meta-Modell, mit dessen Hilfe sich allgemeingültige Floskeln hinterfragen lassen, mit dessen Techniken man getilgte Inhalte erkennen kann. Und wenn sie einmal erkannt sind, kann gezielt nach ihnen gefragt werden.
Das Gegenstück dazu ist das Milton-Modell, benannt nach dem Therapeuten Milton Erickson. Dieses Modell hilft, Inhalte ausreichend allgemein zu formulieren und sie so einem breiteren Publikum näherzubringen. Eine Vertiefung kann dann erfolgen, sobald ein ‘Rapport’ zwischen den Gesprächspartnern besteht.
Eine praktische ‘Übung’ bildete den Abschluss des Seminars: ein aktueller Werbe-Flyer wurde auf Herz und Nieren überprüft und einige verbesserungsfähige Stellen in Gruppenarbeit gefunden. Eine überarbeitete Version des Flyers ist bereits in Arbeit.
Und nun? Was kann im Abschluss über die zwei Tage gesagt werden?
Viel Theorie. Viel einleuchtende, nützlich klingende Theorie. Mein Eindruck war, dass alle mit einiger Spannung aus dem Seminar gegangen sind – gespannt darauf was sich z.B. am nächsten Infostand aus dem erlernten machen lässt. Das meiste davon braucht Übung, Übung und nochmals Übung. Aber es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man sich damit gezielt verbessert. Und Misserfolge sind in Wirklichkeit eine hervorragende Sache: nämlich Feedback.

